Sonntag, November 09, 2008

Brussels in a Heartbeat (1) – Karte kaufen

Regina hatte mich schon vorinformiert: In Brüssel wie in jeder Großstadt gibt es Monatskarten für den Verkehrsverbund, und für den hiesigen ist ein Passfoto nötig. Das brachte ich bei meiner Anreise vor einer Woche mit, und am Montag nach dem ersten Arbeitstag wollte ich zur „BUTIK“ hetzen, um dort Antrag auf die Karte zu stellen.

Am längsten geöffnet hat die Butik an der Station Broukère, fand mein Arbeitskollege für mich heraus. Bis sechs. 20 Minuten davor trat ich in die Metro an der Station Schumann unter dem Hauptgebäude der Europäischen Kommission ein. Um sechs, nach einer kurzer Plauderei mit einem Postmitarbeiter, der den Weg zur Butik sagen konnte, stand ich vier Meter entfernt vor den Schaltern vor einer Glasscheibe, auf der stand, am 3. November sei „fermé“. Stimmt: Am Samstag war ja Allerheiligen, und weil dieser Feiertag aufs Wochenende fiel, musste werktags Ausgleich für den Verlust eines potenziell arbeitsfreien Arbeitstags geschaffen werden.

Am Dienstag nahm ich wieder am Abend die Untergrundbahn. Falsche Richtung. Bei „Montgomery“ aussteigen, Seite wechseln, auf die Bahn warten. Richtige Richtung, ständig auf die Uhr gucken. Zu spät an der Butik ankommen. Wieder vor der Glasscheibe stehen, sehen, wie der Sicherheitsbeamte die Hände wie beim Däumchendrehen umeinander kreisen lässt. „Morgen wiederkommen“, sagte der französischsprechende Belgier, als ich nachfragte. Ich sah Frauen an den Schaltern, die ihrem Feierabend entgegenlächeln. Ich überraschte mich damit, dass ich kraftvoll grumpfte.

Am nächsten Morgen fand ich mich gegen Viertel nach acht an der Butik am Gare du Midi (die niederländisch sprechenden sagen: Zuidstation) wieder mit der Nummer 57 in der Hand. Die ist für Cash-Zahler. Wer mit Karte zahlt, bekam eine Dreihunderter-Nummer. Eine Stunde später hielt ich noch immer den nun etwas zerquetschteren Berechtigungszettel in der Hand und hatte für zwei Euro ein Portraitfoto von mir erstanden. Mit 9 mal 13 Zentimetern zu groß, um es als Passfoto für das Monatsticket ausgeben zu können. Ich wollte ein Alternativbild zu dem, das ich aus Bielefeld mitgebracht hatte. Der Automat hatte mir nicht gesagt, das ein Portrait größer ist als der teuere Satz Passfotos, den er auch feilbot.

Drei Schalter waren in der Butik in Betrieb. Aber nicht immer. Mal verschwanden die Mitarbeiter in den Kammern dahinter, und mal telefonierten sie parallel, während die bedienten. Ich bemerkte, dass unabhängig vom Schalter im Wechsel nacheinander die Barzahler und dann die Kartenzahler drangenommen wurden. Als Brüsseler könnte ich also einfach beide Berechtigungszettel ziehen. Unfair.

Mein Mitarbeiter konnte auch Englisch. Drei Minuten, nachdem ich ihm mein Zettelchen gereicht hatte, hielt ich mein Monatsticket in der Hand. Das ging ja schnell.

Mittwoch, November 05, 2008

Was'n da los?

Heute erreichte mich folgende Zuschrift:

Ohhh, ich krieg heut' noch die Pimpernellen!!! Also dieser Tag steht eindeutig unter einem schlechten Stern:

Die Pechsträhne fing beim Wäsche waschen an: Als ich unten im Keller stand, stellte ich fest, dass ich mein Geld vergessen hatte. Also wieder hoch, Geld geholt (ich habe uns eine Wasch-Kleingeld-Kasse eingerichtet). Wieder im Keller schmeiß ich die vermeintlichen 1,50 EUR ein. Aber NEIN! Es waren nur 1,20 EUR! Prima! Wieder hoch, 30 ct holen und wieder runter, 30 ct nachschmeißen.
Dann wollte ich einkaufen und habe den Bus verpasst. Dann dachte ich mir beim nächsten Bus: nimmste mal den Müll mit runter! Und: was passiert: Die Tüte reißt auf und die Hälfte liegt im Flur, natürlich alles schön matschi. Ich zur Küche, eine neue Mülltüte geholt und will umpacken. Und: was passiert zum zweiten Mal?? Richtig! Auch die zweite Tüte reißt auf! Nur dass sie es gleich richtig macht und nun der komplette Müll im Flur und Bad ist. Vor lauter Wut hab ich alles liegen gelassen und bin raus zum Bus. Dann habe ich beim Jibi eingekauft und stehe an der Bushaltestelle und der Bus kommt geschlagene 20 min zu spät!!!!! Wieder zu Hause habe ich in den neuen Mülltüten den Müll verstaut. Er steht jetzt in drei Tüten verpackt vor der Tür. Dann ist mir soeben die Milch übergekocht und zu allem Überfluss ist auch noch die Milchpackung im Kühlschrank ausgelaufen.

Donnerstag, Oktober 09, 2008

Dapper Digits

Ob wohl die 13 Stellen auf der Schuldenuhr der Amerikaner Unglück gebracht haben? Jetzt musste die Anzeigetafel in New York um eine Ziffer ergänzt werden. Live zu verfolgen ist das, nun ja, negative Wachstum des Staatshaushalts hier und da. Doch was die flink rasenden Ziffern angeht, sind sich die beiden Chronistenseiten offenbar nicht ganz einig. Gut 10 Billionen Dollar Minus auf dem Staatskonto zeigt die eine Seite an, die andere geht von einer Billion weniger aus. Ob da vielleicht das 700-Milliarden-Rettungspaket für die US-Banken vergessen wurde. Nun ja, sind ja nur Peanuts. Und ohnehin:

"Geld (abstrakter, reiner Wert) ist keine Substanz. Geld kommt erst eine Realtiät zu, wenn es die natürlichen Subjekte als ein nützliches Mittel zur Regelung ihrer Verhältnisse untereinader ANERKENNEN und es mit diesem Akt verWIRKLICHt wird." (siehe da)

Genau das werde ich heute beim Einkauf der Kassierin in der REWE erzählen.

Nachtrag: Die Schuldenuhr für die BRD ist beim Bund der Steuerzahler zu finden.