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Donnerstag, Juni 21, 2007

Radio-Report aus Skandinavien (15)

Ich unterziehe mich einer fremdsprachlichen Prüfung, fahre in den Norden und zappele auf der Tanzfläche im Funk- und Soul-Schuppen "Ideal Bar". Sendedatum bei Hertz 87.9: 20. Juni 2007.



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Freitag, Juni 01, 2007

Radio-Report aus Skandinavien (12)

Ich nach vier dænischen Bier, spæter Karneval in Kopenhagen und Hamlets Burg in Helsingør. Meine Woche als Tourist in Dænemark (Teil 1). Sendedatum bei Hertz 87.9: 30. Mai 2007.



Dem diesmaligen Radio-Report møchte ich eine Warnung beifuegen: Bier fuehrt zu Zungenkontrollverlust. Hier der Beweis - meine Versprecher im Zwiegespræch mit meinem Kollegen Michael Bøddeker:



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Mittwoch, März 21, 2007

Radio-Report aus Skandinavien (2)

Frischer fernmündlicher Lagebericht aus Roskilde. Sendedatum bei Hertz 87.9: 21. März 2007.



mehr Berichterstattung

Freitag, März 16, 2007

Fünf Stunden allein mit der Stadt

Komparse
Der Vollzähligkeit halber knipste ich das Tivoli, als in dem Moment, in dem mein Zeigefinger den Auslöser presste, ein Passant mit Mütze angeflogen kam und seine Arme in mein Bild streckte (Abbildung ähnlich). Den ganzen Tag über hatte ich die Bewohner der Stadt unter Kontrolle gehabt: Ich brauchte nur den Fotoapparat vor mein Gesicht zu halten, schon erstarrten alle Leute im Umkreis, entweder, um nicht ins Bild zu laufen oder um genau so vor dem Königlichen Theater ihre Haltung zu halten, wie ich es für meine Bildkomposition vorgesehen habe. Dieser Kerl nun war sein eigener Regisseur. Er kümmerte sich nicht um die städtische Konvention, Touristen mit Liebenswürdigkeit einzulullen. Wie kam das? Sein Kumpel half mir auf die Sprünge: "Do you see his cap?" Das tat ich. "Look at the right side." Der Mützenträger drehte mir die Seite zu. Da war ein kleines rosafarbenes Bügelbild drauf, sah fast aus wie eine Delikatesse. "He's got a small brain", erklärte der Kumpel. Der mit der Mütze nickte. "He need the warm cap to keep his brain working."

Liebesszene
Sie flüsterten, hielten inne. Er richtete sich von der Bank auf, sie tat es ihm gleich. Sie legte ihren Rucksack an, und er streifte ihr einen Gurt über die Schulter. Nicht lange, da wandten sie dem säulenumsäumten Altar den Rücken zu und liefen Richtung raus. Und stoppten. Der Mann und die Frau standen genau unter der Kuppel und schauten empor. Sie zeigte hoch auf etwas, als sei da ein Bekannter, und er blickte ihr ins Gesicht und wieder nach oben. Sie lehnte sich an seine Schulter. Da war ein Schimmer unter ihren Augen. Ich, in Reihe 22 der Frederiks Kirke, drei Meter von ihnen, traute mich nicht, ein Foto zu machen - erst später, als sie gegangen waren; da war ich allein.

Gaffen
Die kleine Meerjungfrau ist ein ziemlicher Brocken. "She was created by Hans Christian Andersen - a very famous writer from Denmark. He is world-famous", sagte ein Mann im Anzug zu einem anderen im Anzug. Ich hab sie mir immer so richtig klitze-klitze-klein vorgestellt, doch auf dem Stein saß eine gewöhnliche Statue und guckte aufs Wasser, weg von den Männern, die gierig auf ihre Auslöser drückten, um sie später ganz für sich zu haben oder vor ihren Kumpels mit ihr anzugeben. "Hier, kleine Dänin. Die hab ich am Hafen gefunden. Wat sagste dazu?", werden sie später beim Sushi-Essen sagen. Ich hätte ihr das Pink, das ihr einer während der Schlacht ums Ungdomshustet aufgetragen hat, gerne noch gegönnt. Hat halbwegs ihre Blöße bedeckt. Nun ist sie wieder golden. Ein Mädchen und seine deutschen Freunde kamen angesprungen. "Die ist ja doch ganz hübsch", sprudelte es aus ihm heraus. "Das ist heute unser Highlight". Einen Steinwurf weiter fuhr ein Jüngling nach dem Bade mit einem Handtuch über seine metallene Haut. All das Rubbeln half nichts, er bleibt über und über mit Grünspan bedeckt.

Mittwoch, März 07, 2007

Wenn die Hure das Ende ist

Plötzliche Eingebungen können zuweilen ganz schön nach hinten losgehen. Als inmitten der Schaulustigen, die hingebungsvoll den angeblich in ultramoderne Textilien gehüllten Monarchen anstarren, ein kleiner Junge spontan schreit: "Aber der hat ja gar nichts an!" und damit den ersten und einzigen kaiserlichen Flitzer und zwei betrügerische Bekleidungsfabrikanten entlarvt, da hat der Sechsjährige (vermutetes Alter) wohl einen Augenblick vollkommen vergessen, dass der Kaiser mal ganz fix seinen Vater köpfen lassen könnte wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht, mangelnder Treue zum Souverän und falscher Ideologie. Zugegeben: Nachdem der Kleine dem bekloppten Volk klargemacht hat, dass der Kaiser kein hautfarbenes Catsuit spazierentrug - wäre ja möglich gewesen, das Ganze spielte sich ja anscheinend im liberalen Dänemark ab -, da zogen die anderen nach. Aber hätte ja auch anders kommen können, und dann hätte die minderjährige Plaudertasche ihre Einschulung gegen das Aufnahmeritual im kaiserlichen Steinbruch tauschen können. Das waren schließlich noch andere Zeiten damals.
Wir wissen nicht, was aus dem kindlichen Aufklärer geworden ist. Wäre er heute am Leben und sechs, hätte sein Vater den vorlauten Bengel bestimmt auf eine Privatschule geschickt.
Der Zufall hätte gewiss gewollt, dass es die Rudersdal Lilleskole in Holte nahe Kopenhagen gewesen wäre. 1987 gegründet, in ein früheres Privathaus von 1901 gepfercht, das aber schon mal, seit den 60ern, eine Lehranstalt beherbergt hat, will die Schule einen anderen Weg als ihre staatlichen Schwestern gehen. Früher hätte man gesagt, die Rudersdal Lilleskole sei sozialistisch (was gut zu dem sechsjährigen Kaiserfeind passen würde), heute ist sie schlicht alternativ, und die Lehrer erzählen Besuchern, dass man aufsässige Schüler als Problem, aber eben auch als Herausforderung sehen könne. Unterschiede zu herkömmlichen Schulen? Kleinere Klassen mit höchstens 18 Schülern. Die zulässige Gesamthöchstzahl von Schülern liegt in der Lilleskol bei 100, tatsächlich sind derzeit 35 weniger angemeldet. Schüler und Lehrer gehen kollegial miteinander um, weil Hierarchien flach gehalten oder gar abgeschafft werden sollen. Die natürliche und städtische Umgebung steht auf dem Lehrprogramm. Wenn die Kinder was über Eichen und Buchen lernen sollen, gehen sie dafür nach draußen oder sie machen mehrtägige Fahrten nach Norwegen, wenn es um Ethik geht. Wenn's den Unterricht nicht stört, legen die Schüler schon mal die Füße auf den Tisch (und ziehen vorher brav die Schuhe aus) und mampfen ihr Pausenbrot. Manche Themen erarbeiten die Kids fächerübergreifend in Projektarbeit.
Für eins meiner Pädagogikseminare war die Schule Abschauungsprojekt, um eine Idee von Reformpädagogik zu bekommen, über die Summerhill-School, Freinets Ideen und den Jena-Plan zu reden und uns zu fragen, wie die Rudersdal Lilleskole dazwischen passt. Abschlussspiel war eine Schatzkarte, die wir selber machen sollten, indem wir auf einem Blatt Papier unseren Startpunkt des Tages (in den meisten Fällen war das der Bahnhof), die eindrücklichsten Erlebnisse und das Ziel skizzierten. Am Ende der Karte meiner Dreiergruppe stand Ende, weil die dänische Zeichnerin mir kurz zuvor verraten hatte, dass sie Deutsch als Schulfach hatte."Und was heißt das auf Dänisch?", sagte ich. "Slut", sagte sie, genauso wie sie's dann unter das Ende schrieb. Das sei ja das gleiche Wort wie Slut auf Englisch, klärte ich auf. Das Lachen meiner beiden Sitznachbarinnen klang so, als wenn sich jemand vor Überraschung übergeben muss, und ich ahnte, dass ich soeben mehr gesagt hatte als den Namen einer Rockband aus Bayern.
Am Abend zeigte mir mein Computerbildschirm, dass liederliches Frauenzimmer die harmloseste Übersetzung für das gesuchte Wort ist. Ich fühlte mich, als sei ich der sechsjährige Volksaufhetzer, in dem Moment, in dem der Stuhl unter den Füßen seines Vaters weggetreten wird.
Nebenbei frage ich mich, ob der Sechsjährige und sein Vater vielleicht gar keine originären Volksangehörigen, sondern frisch eingewandert waren und dann die Einbürgerungskurse verpasst hatten? So ohne Sprachkurs..., da kann man sich schon mal verplappern. Und ich frage mich: Wie hat Hans Christian Andersen kenntlich gemacht, dass sein Märchen vorbei ist?

Freitag, März 02, 2007

Der 24-Stunden-Report (5): 20 Uhr

Und wieder und wieder flitzen Polizeiautos vorbei, auf dem Weg in den Stadtteil Nørrebro. Ja, in hier in Kopenhagen ist richtig was los. Autos brennen, Steine fliegen, Tränen laufen die Wangen junger Widerständiger herunter. Sie wollten ihr Ungdomshuset behalten, doch die Stadt hat das Jugendhaus an eine Sekte verkauft und musste gestern die bisherigen Bewohner zwangsräumen, damit das ehemalige Theater picobello in die neue Partei übergeben werden kann. Allerdings ist im Gegenzug nun ein kompletter Stadtteil etwas in Unordnung geraten.
Während die Sympathisanten des anarchistischen und selbstorganisierten Kultur- und Jugendzentrums sich wehren, Barrikaden auftürmen und Sachen kaputt machen, stehe ich in Reih und Glied und zähle im Kopf: eins, zwei, drei, ... vier, fünf, sechs, sieben, acht. Mehr oder minder rhythmisch bewege ich mich vorwärts. Schweiß rinnt mir die Stirn herunter. Irgendwie ist da ein innerer Widerstand. Doch ich ignoriere ihn und kämpfe weiter. Einer muss es ja tun. Und ich bin nicht allein. Mit mir sind vielleicht 40 Leute, manche perfekt ausgebildet, manche blutige Anfänger so wie ich. Vorne gibt unser Anführer Befehle. Geradeaus, links, jetzt rechts. Wir folgen ihm blind. Ja, hier ist richtig was los, hier beim Salsakurs für Anfänger und Fortgeschrittene im Club Mambo in Kopenhagen.