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Mittwoch, Mai 23, 2007

Radio-Report aus Skandinavien (11)

Ich komme ins Fernsehen, sehe das abgerissene Kopenhagener Ungdomshus mit eigenen Augen — und da war noch was: Niederländer inspizieren die Roskilder Uni, und ich helfe ihnen dabei. Neue dramatische Ereignisse aus meinem Leben. Sendedatum bei Hertz 87.9: 23. Mai 2007.


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Mittwoch, Mai 16, 2007

Radio-Report aus Skandinavien (10)

Ich als Möbelpacker, die dänische Offenheit und italienische Ahnungslosigkeit beim Eurovision Song Contest. Eine Woche im Leben eines ERASMUS-Studenten im Überblick. Sendedatum bei Hertz 87.9: 16. Mai 2007.


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Mittwoch, Mai 09, 2007

Radio-Report aus Skandinavien (9)

Drei runde Kirchen, Bier ohne deutsches Reinheitsgebot, Wasser, das gegen das Kliff knallt. Meine Erlebnisse auf der Insel Bornholm im Überblick. Sendedatum bei Hertz 87.9: 9. Mai 2007.


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Mittwoch, Mai 02, 2007

Radio-Report aus Skandinavien (8)

Sprachliche Neukreationen meines Vornamens und Sportverletzungen. Meine Woche in Dänemark im Überblick. Sendedatum bei Hertz 87.9: 2. Mai 2007.


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Mittwoch, April 25, 2007

Radio-Report aus Skandinavien (7)

Modernstes Monopoly und Überraschung hinter roter Ampel. Neues aus Dänemark - diesmal aus der Roskilder Innenstadt und dem Studentenwohnheim Korallen: Sendedatum bei Hertz 87.9: 25. April 2007.



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Dienstag, März 27, 2007

Der 24-Stunden-Report (8): 9 Uhr

Warum bin ich nur nach Dänemark gegangen? Weil ich das Land kannte? Meine letzte Urlaubserfahrung endete damit, dass ich mit meinem Fiesta einen kaputten Subaru 60 Kilometer außer Landes ins sichere Deutschland schleppte, wo der ADAC-Engel das gerissene Kupplungsseil in zehn Minuten gegen ein Provisorium austauschte. Wegen der Däninnen? Niemals vor meiner Herkunft habe ich mit einer einheimischen Staatsangehörigen gesprochen, abgesehen vom "Tak!" gegenüber der Kassierin im Shop am Urlaubsdomizil. Wegen der Sprache? Ja. Nein, nicht wegen Dänisch - wegen Englisch. Ausländer, die nach Roskilde, Kopenhagen, Aarhus kommen, um zu studieren, müssen die Landessprache nicht können, Englisch reicht.
Das Resulat dessen: Ich, der in einem Seminar sitzt, das in Dänisch abgehalten wird. Thema ist das narrative Interview, ein Konzept aus deutschen Landen von Fritz Schütze. Im Seminar lohnt sich zur Illustration der Methode durchaus ein Blick auf ein Gesprächsprotokoll - zu dem ich wegen meiner Sprachbarriere allerdings nichts zu erzählen weiß.
Ich habe eine Dolmetscherin, und der Dozent gibt zuweilen englische Zusammenfassungen. Er erwähnt Melanies und mein Forschungsthema "Deutsche Arbeiter in Dänemark" und mit wem sich da ein narratives Interview sinnig sei.
Melanie ist meine Bielefelder Kommilitonin. Wegen ihr und mir hat der Dozent letztes Mal sein Seminar auf Englisch organisiert. Jemand habe darum gebeten, diesmal auf Dänisch vorzugehen, erzählt er zu Beginn dieser Sitzung. Ich sage, das sei okay. Ich bitte meine Sitznachbarin um Übersetzungshilfe und von nun an frage ich alle paar Minuten: "What are they talking about now?", "What has he said?", "What do svar, svagheder and forbindelse mean?" - "Answer", "weaknesses" und "connection" flüstert sie mir nach und nach zu, wodurch ich von der gerade laufenden Diskussion abgelenkt werde. Zu der kann ich zwei Mal etwas beisteuern, einmal wegen der persönlichen Erwähnung durch den Dozenten, einmal weil ich rasch genug eine Übersetzung zu einer vorigen Äußerung bekommen habe.
Ich hab den Eindruck, ich bin nur unzureichend integrationswillig. Wandere in ein Land ein und meine dann, die Leute da müssten so sprechen, dass ich sie verstehe. An der Uni Bielefeld gibt Pädagogik-Professor Hans-Uwe Otto im neuen Semester ein Seminar auf Englisch, alle anderen Veranstaltungen an der Fakultät sind auf Deutsch. Die Bielefelder Fakultät hat mehrere hundert Studenten und will sich mit der Einführung von Bachelor und Master internationalisieren. Am Institut hier in Roskilde hab ich nicht mehr als 40 Pädagogikstudenten gezählt, angehende Bachelors und Masters zusammengenommen, und die haben noch ein Zweitfach neben Pädagogik und Psychologie.
Für seine vier internationalen Studenten aus Spanien und Deutschland hat das Institut for Psykologi og Uddannelsesforskning indiduelle Semesterpläne geschnürt. Ich besuche die Seminare nicht durchgängig, sondern immer spezielle Sitzungen, und die werden dann auf Englisch abgehalten.
Mit einer Ausnahme, die mich taub und fast stumm macht. Ich bin zu sehr damit zugange, nach Worten zu grapschen, die Deutsch klingen - wie soll ich da aufmerksam zuhören?
Mein Dozent ist sichtlich betrübt, dass das Seminar mir Rücksicht auf die Mehrheit dänisch ablaufen musste. Die Studenten wollten über ihre Erfahrungen mit der besagten Methode reden, da wäre Englisch eine ziemliche Schranke gewesen. Wäre ich Präsident einer großen Nation, sagte ich jetzt vielleicht: Ich sehe das als Herausforderung.
Weil durch wenig ausgeprägten Patriotismus mental wenig Nation hinter mir steht, und ich noch nie von einem Präsidenten gehört habe, der einen Sprachkurs besucht hat, um ein internationales Anliegen zu bewältigen, ist meine Haltung anders gelagert. Phantastische Träumereien wie Dänisch lernen in nur fünf Monaten sind ungleich schwerer umzusetzen als einen US-Kongress mit republikanischer Mehrheit zum Einmarsch in den Irak zu überzeugen. Aber ich war noch nie Präsident, ich bin da nicht so firm.
Doch zurück zum Seminar: Außer dem hatte ich in diesen Tagen vier bewegende Spracherfahrungen:
- Beim Volleyballnachmittag in der Turnhalle nahe dem Campus hörte ich einen Eingewanderten Dänisch schwatzen mit einem Einheimischen. Ich hab ihn vorher als Franzosen mit entsprechendem Akzent beim Englischsprechen wahrgenommen. Jetzt bin ich komplett beeindruckt, hab vorher aus irgendwelchen Gründen, das pauschale Urteil mit mir herumgetragen, Franzosen sprächen gewissermaßen naturgemäß nie und nimmer Dänisch.
- Eine polnische Kommilitonin fragte mich und einen anderen Deutschen, ob sie auf unserer gemeinsamen Radtour von einem Partystandort nach Hause zum Campus ihre Ohrhörer einstöpseln solle. Wir erklärten, es bestünde dafür keine Veranlassung, weil wir Englisch sprächen und Deutsch nur für auf Englisch Unaussprechliches einsetzen würden, wie wir es Sekunden zuvor bei einem Gespräch taten, das den Namen eines Volkswagen-Modells beinhaltete. Wir hielten uns an unsere Beteuerung.
- Minuten zuvor hatten der Deutsche und ich der Bitte zweier Italienerinnen stattgegeben, unsere Konversation in unserer Stammsprache fortzusetzen, - sie sprächen schließlich Deutsch. Wir öffneten die Büchse der Pandora: Flugs stand ein weiterer Italiener mit Deutschkenntnissen in unserer Runde, ein Österreicher passierte uns, eine Deutsche sagte Tschüss und wenig später fanden mein Landsmann und ich uns wieder im Gespräch mit einem Neuseeländer - natürlich auf Deutsch.
- Wozu bin ich eigentlich hier?
[Translation] I am sitting in a class and it's completely in Danish. Well, not completely. There is one girl next to me translating what the teacher says. And the teacher gives brief summaries on what he has just said. Main topic of the class on this day is the "narrative interview" developed by Fritz Schütze - right: He is a German researcher and therefore it is quite weird to hear his ideas in Danish.
It is my first class in Danish. At the beginning of the lesson the teacher asked me whether it would be okay to hold the class this time in Danish. I said: "Yeah, that's okay", slighly aware of the differences this appointment could breed.
At last I had contributed two statements to the other students since first, the teacher had mentioned my project topic as an exampel, and second, I had asked my translator fast enough to give me the statement of one girl during a discussion. It's a funny feeling to argue in English when you don't understand the Danish answer.
And still: I have got the impression I am not willing to be integrated into Denmark because I travel hither and I demand from the locals to speak in a way by which I can understand them. I didn't visit a Danish course until I came to Roskilde.
And now let's have a glimpse on my faculty at the University of Bielefeld: There is one single course in English - all the other courses are in German. Hundreds of students study at my faculty, here at my department at the University of Roskilde I have never located more than 40 students.
My teacher is rather sorry about my current situation. Students had asked him beforehand to work in Danish this time since it would be easier for them to present their experiences. And whereas they are arguing I examine the projected slides next to the blackboard - I get a pretty good feeling that I am getting better and better in reading Danish. And when I'm unsure I just ask the friendly girl that sits next to me.

Dienstag, März 20, 2007

Die dänische Wohnraumentscheidung im Generellen

Für das Roskilde Universitetscenter arbeite ich derzeit an einer Studie zur Wohnsituation in Dänemark. Das Projekt ist am Institut for Kultur og Identitet angesiedelt, genauer: am Dänischkurs für Anfänger (jeden Dienstag und Donnerstag von 9.15 bis 12.45 Uhr. Heute haben wir die Uhrzeiten gelernt). Mein Forschungsteam ist international und genderübergreifend mit einer Tschechin, einem Deutschen und einem Tschechen besetzt. Die Studie ist quantitativ ausgerichtet.
Heute, an einem Dienstag, draußen strahlte die Sonne, und die Luft war mild, kam die Erhebung der für diesen auf südskandinavische Habitate fokussierenden Survey obligatorischen Daten zur Durchführung.
Aus ökonomischen Erwägungen überschreitet die Größe des Samples nicht das Maß von zehn Befragten. Die Stichprobe setzt sich aus Mitarbeitern der Hochschule in Roskilde zusammen.
Die Erhebung lief in dänischer Sprache ab. Die Auseinandersetzung mit der zentralen Thematik führte zu folgender Operationalisierung:
1. Hvor bor du henne?
2. Hvordan bor du?
3. Hvor stor er din bolig?
4. Er du gift eller bor du sammen med nogen?
5. Hvor mange personer bor du sammen med?
6. Har du børn? Hvis ja:Hvor mange børn har du?
7. Har du parkeringsmuligheder ved din bolig?
8. Har du have?
9. Syns du det er dyrt eller billigt at bo i Danmark?
[deutsche Übersetzung voraussichtlich im Laufe der nächsten Tage verfügbar]
Zum jetzigen Zeitpunkt steht die Aufbereitung und Auswertung der erhobenen Daten noch bevor. Die Forschungsgruppe rechnet mit erhellenden Erkenntnissen und schließt nicht aus, dass die spätestens in zwei Monaten abgeschlossene Studie essenziell für das Fortbestehen der Europäischen Union sein wird.

Montag, März 12, 2007

Der 24-Stunden-Report (6): 21 Uhr

Was mich von Else Kling unterscheidet: Ich bin einen halben Meter größer, sie ist tot und ich bin non-fiktional. Ansonsten sind wir vollkommen identisch. Gut, abgesehen davon, dass sie bis zu ihrem Hinscheiden in Folge 1069 Parterre wohnt und ich seit Januar im ersten Stock. Damit hab die entschieden bessere Sicht.
Von meinem Fenster aus kann ich den Blick schweifen lassen über die Allee ohne Grün, aber dafür mit Stelen-Laternen, die stehen, wo sonst die Bäume stünden, von da aus zum stetig qualmenden Schlot der Fabrik, von der keiner weiß, was sie verfeuert, bis zur Baustelle vor meinem Haus.
Else hat ja immer eher eine Innensicht gehabt. Die wartete immer in der Nähe ihrer Wohnungstür, und wenn Mutter Beimer oder der Herr Schildknecht mit Einkäufen beladen heimkehrten, schnellte sie hervor, um in Erfahrung zu bringen oder zu verbreiten, was mit Beate Flöter geschah.
Das hab' ich auch versucht. Am Eingang verstecken und hervorschnellen. Aber keiner kannte Beate Flöter. So drückte ich mich wieder an meine pivate Panorama-Fensterscheibe. Heute sah ich einen Jungen und ein Mädchen unter Bäumen umherhüpfen und sich nach Dingen bücken. Als ich später überprüft hab, was da lag, waren nur noch Tannenzapfen da, die nicht von Tannen stammen, aber den Eindruck erweckten.
Ich hab meinen Schreibtisch so vors Fenster gestellt, dass ich stets protokollieren kann, wann meine Wohnheimmitbewohner zum Einkaufen/ Uni/ Tête à Tête gehen und wann sie wiederkommen. Ich will jetzt hier keine Namen nennen, aber ein Kommilitone aus Fernost und eine Studentin aus dem nordöstlichen Skandinavien liefern sich ein ziemliches Kopf-am-Kopf-Rennen, wenn es um die Häufigkeit der Präsenz vor meinem Beobachtungsposten geht.
Zwei Wochen habe ich einem Volvo gewidmet, der auf dem Parkplatz, der in die Allee vor meinem Fenster integriert ist, umherfuhr, hielt und wieder weiterfuhr. Ich hab das nie verstanden. Als ich nachts bei einem Spaziergang den Volvo alleine auf dem Parkplatz traf und in sein Inneres spähen wollte, fuhr der Wagen abrupt an und schüttelte das Paar auf den Vordersitzen aus seiner wohligen Umschlungenheit - ich kann allerdings nicht abschließend sagen, inwieweit es sich um ein Paar und Umschlungenheit handelte, ich hab ja nichts gesehen.
Surren holte mich am Sonntagmittag aus dem Schlaf. Rabauken im heiratsfähigen Alter ließen ihre funkgesteuerten Modellautos über die Allee sausen. Am liebsten hätte ich mein Fenster aufgerissen und gebölkt: "Ruhe da unten, sonst ruf ich die Polizei". Doch mein Fenster hat keine Öffnungsvorrichtung, und ich weiß nicht, was Ruhe, unten, sonst und rufen auf Dänisch heißt.
Else Kling hatte sich ihr Umfeld eindeutig geschickter ausgesucht. Die konnte ihre Sprachkompetenz da wesentlich besser einbringen. Und wenn der Tag vorbei war, erzählte sie ihrem geliebten Mann das Neueste. Bis Folge 656.
Jetzt ist Abend, und ich seh nur noch die Stelen leuchten und hin und wieder Frontscheinwerfer. Gerade war der Volvo wieder da. Danke, lieber Leser, dass Du heute mein Egon warst.