Montag, November 26, 2007

Nicht einfach Ade!

Früher hab ich Briefe einfach angefangen mit "Sehr geehrte Damen und Herren", am Ende schrieb ich "Mit freundlichen Grüßen". Das war kurz nachdem ich meine erste Postkarte an meinen Onkel auf einem Extrazettel vorgeschrieben hatte, damit meine Mutter meinen Schreibversuch auf die Rechtschreibung hin untersuchen konnte. Es war etwa in der Zeit, in der ich inflationär Briefe an Konsulate oder Botschaften schickte. Noch heute mögen in den Archiven der Vertretungen Dänemarks, der Niederlande, Italiens und Spaniens - diese Auswahl habe ich mir gerade ausgedacht, in Wirklichkeit waren es so viele und beliebige Länder, dass ich mich nicht mehr erinnern kann - noch meine liebevoll und serienweise in Schreibschrift abgefassten linierten Papierbögen aus den Archiven quellen und ihrem Finder direkt nach der Höflichkeitsfloskel mitteilen: "Ich interessiere mich für Ihr Land. Bitte senden Sie mir nähere Informationen über Ihren Staat. Mit freundlichen Grüßen".

Heute weiß ich, dass es noch mehr Floskeln gibt. Ich kann den Singular benutzen ("Mit freundlichem Gruß"), ich kann etwas wegwerfend "Mit bestem Gruß" hinterherschicken, ich kann einen kargen "Gruß" in die Tastatur hacken, um ihn im nächsten Brief, stimmt: heute ist es ja wohl eher eine E-Mail, zu "Viele Grüße" zu multiplizieren. Ich kann meiner Abschiedsformel Attraktivität attestieren ("Schöne Grüße"). Freilich kann ich hektisch oder jovial abkürzen, entsprechend der Vorliebe auch klein geschrieben: "MfG", "VG", "LG" usw., wobei letzteres Akronym für manchen wegen der computerüberbrückten Distanz eine Umarmung ersetzt und für andere nicht mehr ist als viele Grüße.

Steigern geht überdies fast immer, also "allerliebste", "allerbeste" und - warum nicht? - "allerfreundlichste Grüße". Der Schreiber muss diese Vorsilbe aber behutsam verwenden, sie kann beim Empfänger ironisch ankommen. Nüchtern richtet sich hingegen meine Universitätsbibliothek bei den automatischen Hinweisen auf Rückgabetermine bankhalterisch-schweizerisch "Mit freundlichen Gruessen" an mich.

Die vermeintliche Vermeidung von Phrasen geht auch, etwa, wenn das nächste Treffen feststeht: "Bis morgen" (bei Briefen musste vor so einer Ankündigung noch akkurat gerechnet werden und auf ordnungsgemäß Zustellung vertraut). Ich gebrauche hin und wieder auch das implizit mit Gottesbezug ausgestattete "Tschüs" und das importierte "Cheers", das mich bei jedem Mal Schreiben wieder und wieder in feierliche Laune versetzt. Es könnte mein nur noch selten gebrauchtes "Venlig Hilsen" überleben - "À bientôt" ist im Moment bei mir ausgestorben, "Greetz" geht manchmal, "Servus" war bei mir jahrelang Mode - demnächst könnte sich "Adiós" (hier fällt die Empfehlung, mit Gott gehen zu sollen, schon mehr auf) in meiner Schlussformelhitparade nach vorne setzen.

Spürbar ist die Macht, die in den Endworten von Briefen, Notizzetteln und E-Mails transportiert wird. Immer, wenn mir ein Bundespräsident postalisch "liebe Grüße" bestellt, zögere ich, ihn ebenso zu herzen. Beste Freunde in Zwist verpassen einander seelische Knackse, indem sie bisher "liebe" zu "beste Grüße" degradieren (wann wurde eigentlich der Vorläufer "gute Grüße" abgeschafft?).

Zweifelhaft ist, ob wirklich jeder seinen Abschlussworten Bedeutung beimisst. Eine Frau im Radio kritisierte gestern sogar, dass das viele elektronische Hin- und Hergeschreibe zum Wegfall jeglichen Grußes geführt hat. Einzig der Name des Schreiber markiert dann vielleicht noch den Abschied.

Jörg

Mittwoch, November 21, 2007

Blaupause Nummer 11



Nach monatelanger Unterbrechung ist die "Blaupause" zurück. Das Magazin des Vereins Blauschwung im Kanal 21 kümmert sich diesmal um Dreierlei: Sinn und Erfolg der Big Brother Awards, einen Auftritt der Band "The Ghost of Tom Joad" im Falkendom Bielefeld und die Ausstellung "Kauft deutsche Bananen! Kolonialwaren und ihr Handel in Bielefeld".

Dienstag, Oktober 30, 2007

Short Notes

Another Loss
Bielefeld-University. Today I've left another important thing behind - a widget which allows me to keep my internal organs in running order: my thermosbottle until the afternoon filled with refreshing white tea eventually emptied during a class about EU-policies in foreign affairs. This loss just adds another link to an apparently neverending chain of losses. There's two options in detecting my property: either room V2-200 where the class was or university radio Hertz 87,9 where I spent the commencing evening. Actually, there's another option: ikea, ground floor, housewares, "Hälsa", 4,90 Euro.

Pronunciation
Bielefeld-University/Center. Mumbling and nearly sleeping I discovered yesterday around midnight that my tongue starts to flutter when my mouth forms the word "perro". My pronunciation training seems to pay off. Evening after evening I tried to vocalize what I call "the Spanish r". Lately I've found a book with helpful hints: "Sprechtechnisches Übungsbuch" by Vera Balser Eberle, available at my university library (yes, I know, the library isn't de facto mine). Eberle (1976) gave me an idea of how to move my tongue while trying to talk Spanish (though I lack a sufficient vocabulary): "Die Zungenspitze wird dünn hinter die oberen Schneidezähne eführt, wo sie aber nicht ruhig verharrt, sondern mittels des durchziehenden Luftstromes in Vibration versetzt wird" (p. 55). She recommends the technique of the famous French actor François-Joseph Talma: The learner says first slowly and then with an increasing pace "t-d-t-d-t-d-t-d-t-d-t" with a stress on the "t". Then he repeats several times the word-combination "dé-tavail" to add subsequently the "r" - like that: "dé-tavail, dé-tavail, dé-tavail - - - - travail". Et voilà. Another simple way to get a feeling for the right tongue move: Put a biro in your mouth, under the tongue and recite that (advise of my teacher).

Geistesnahrung
Bielefeld-Center. I just have started to prepare an oral exam on "Communities of Practice" - a topic which I encountered especially during my stay in Roskilde. Etienne Wenger, Richard McDermott and William M. Snyder wrote a generally intelligible book on these "groups of people who share a concern, a set of problems, or a passion about a topic, and who deepen their understanding and knowledge of this area by interacting on an ongoing basis" (p. 3 of the draft of that book) and describe communities of practice as a phenomenon of human learning which consists of learners approaching a group of proprietors of knowledge including that these "newcomers" adds new knowledge to such a community of practice. Most of the chapters of the book "Cultivating Communities of Practice: a Guide to Managing Knowledge" are to be found on the internet: go here and there (second link).