Samstag, März 17, 2007

Sensitives Waschmittel für reife Clownshaut

Ich war fünf und er war 49, als ich Dieter Hallervorden in seiner Paraderolle als "Die Nervensäge" im ZDF vergötterte. Die Familienserie - Hallervorden teilte sich die Hauptrollen mit seiner Tochter Nathalie sowie seiner damaligen Frau - hat nach Angaben meiner Erinnerung im Vorspann ein grünes Telefon mit Wählscheibe präsentiert, das von der Serienheldin Frau Keller bedient wurde. Die Darstellerin dieser Frau ließ sich irgendwann nach Abschluss der Dreharbeiten von einem "der beliebtesten Entertainer des deutschen Fernsehens" (didipage.de) scheiden. Ich habe sie nie vergessen. Ihr Name ist Rotraud Schindler. Als Frau Keller war sie immer sehr aufgeregt wegen ihres Untermieters Willi. Im Leben außerhalb der Serie hat sie der Willi-Darsteller vermutlich ebenfalls genervt, sonst würde sie ihn heute ja noch lieben.
Wäre ich verantwortlicher Redakteur für die "Stern"-Rubrik "Was macht eigentlich..." hätte ich vor wenigen Tagen bei Procter & Gamble angerufen und gefragt, wie Frau Schindler derzeit ihren Berufsalltag nach der Absetzung von "Streit um drei" verbringt und was ihr Gesicht auf dänischen Ariel-Reklametafeln macht. Ich würde kommentieren, dass es gewiss sehr lustig sei, dass auf ihrem Hut die fremsprachliche Übersetzung für "Mensch ärgere Dich nicht" steht, dass es sich dabei aber um einen zynischen Scherz auf Kosten einer 66-Jährigen handele, die ein Konzern in ein Clownskostüm stecke, um für ein Waschmittel zu werden - das würde ich sagen, kurz bevor ich feststellte, dass es um eine Kampagne für dänische Krankenhausclowns geht, die für jedes verkaufte Paket Ariel Sensitive, das in den Netto-Märkten übers Kassenband läuft, eine Dänische Krone erhalten, was mich einen Augenblick an Patch Adams und die Bielefelder Initiative Dr. Clown denken und seufzend aussprechen lässt: "Schön, dass Frau Schindler ihren Platz im Leben gefunden hat."

Kommentare:

Oles wirre Welt hat gesagt…

Helga Timm, eine gute Freundin meiner Mutter, hat sich vor über zehn Jahren an der MHH in Hannover eingesetzt und sich durchgesetzt und ist von 1996 bis 2004 Klinik-Clown dort gewesen (neben ihrem Hauptberuf als Psychotherapeutin). Sie war allerdings nie auf Waschmittelpackungen. Und mit Hallervorden ist sie bislang auch nie verheiratet gewesen. Schöner Text, Jök. Gerade den Einstieg mag ich.

Johnny3000 hat gesagt…

Ole! Schön, dass Dir mein Bericht gefällt. Für mich bleibt aber noch eine wesentliche Frage offen: Wann und wo werden Clementine, Frau Schindler und Ilona Christen als Star-Gäste bei der nächsten Ariel-Convention auftreten?
Ich kenne einen Klinik-Clown - das ist Canip von der besagten Bielefelder Initiative.

Oles wirre Welt hat gesagt…

Clementine ist schon tot, Frau Schindler kenne ich nicht, und Ilona Christen fungiert derzeit als Ehrenpräsidentin der Schweizer Initiative für erfolgreiche Brillengeschmacksverirrung. Und was genau verbirgt sich hinter der Ariel-Convention? Und wann lässt Du mich wissen, ob und wie man Dich mal telefonisch erreichen kann?